Old Testament
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Johannes 11:38 (Luther1912)
Da ergrimmte Jesus abermals in sich selbst und kam zum Grabe. Es war aber eine Kluft, und ein Stein daraufgelegt.
Satzfolge und unmittelbarer Kontext
Im Verlauf von Jesu Bibelgeschichte tritt hier Jesus wieder in eine tiefe, bewegte Reaktion ein. Er kommt zu dem Grab des Lazarus, nachdem Er schon von der Trauer der Schwestern erfahren hat. Die Szene offenbart eine ehrliche, menschliche Seite Christi: Er ist berührt von Trauer, doch zugleich erfüllt von göttlichem Absichthalten. Die Kluft und der Stein symbolisieren die scheinbare Unüberwindbarkeit des Todes und die Abgeschlossenheit des menschlichen Kummers.
Was der Text über Gott und den Glauben offenbart
Der Text macht deutlich, dass Jesus sich in Mitgefühl hineinversetzt. Er ist nicht gleichgültig gegenüber dem Leid der Menschen, sondern handelt aus einer tieferen göttlichen Perspektive heraus. Die Tatsache, dass Er „abermals in sich selbst ergrimmt“ wird oft so verstanden, dass Sein innerer Zorn nicht gegen Menschen, sondern gegen die Macht des Todes gerichtet ist. Dadurch zeigt sich eine Verbindung von göttlicher Heiligkeit mit menschlicher Verletzlichkeit. Der Glaube wird hier als Vertrauen auf Gottes befreiende Macht in einer Situation, die menschlich gesehen hoffnungslos erscheint, neu ausgerichtet.
Wichtige Begriffe und Bilder erklärt
Verwandte Passagen
Bezüge, die das Thema von Jesu Mitgefühl, Tod und Herrschaft über das Leben vertiefen:
Diese Querverweise helfen, das Bild von Jesu Sieg über Tod und Trauer zu vervollständigen, ohne den Blick auf unmittelbare Ereignisse zu verlieren.
Gegenwartsanwendung
Für heute bedeutet dieser Abschnitt: Gottes Gegenwart bleibt auch in der tiefsten Trauer präsent. Wenn Kluft und Stein der scheinbaren Unmöglichkeit gegenwärtig sind, ruft Jesus, der das Leben bringende Wort, zum Vertrauen. Der Aufblick zum Grab erinnert uns, dass, obwohl menschliche Umstände fest erscheinen mögen, Gottes Absicht stärker ist als unser Blick. Christen dürfen in solchen Momenten Mitgefühl hegen, klagen, aber zugleich auf Gottes zukünftiges Eingreifen hoffen – in Jesus, dem Bringer von Leben.
Anmerkungen zu älteren Kommentaren
In den klassischen Auslegungen wird Jesus’ inneres Ergrimmen oft als Ausdruck seiner tiefen Heiligkeit gegen die Verderbnis des Todes verstanden. Die Gedanken von Matthew Henry, Albert Barnes und Adam Clarke betonen jeweils die Mischung aus Mitgefühl, Gerechtigkeit und Zuversicht auf Gottes Wirken. Henry hebt die menschliche Anteilnahme Jesu hervor; Barnes betont die göttliche Macht über das Grab; Clarke verweist auf die Demonstration der ewigen Hoffnung durch die Auferstehungskraft. Zitatbezüge werden nur dann wörtlich eingefügt, wenn vorhanden und im Text erwähnt.