Old Testament
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Klagelieder 3,64 – "Vergilt ihnen, HERR, wie sie verdient haben!" (Luther1912)
Bedeutung auf den ersten Blick
Der Vers ruft Gottes gerechte Vergeltung herauf: Dem Feind wird gemessen nach dessen Vergehen, und der Herr richtet nach Verdiensten. Es ist kein Aufschub, sondern eine Bitte nach der entsprechenden Vergeltung im Rahmen von Gottes Rechtsordnung.
Kontext und Hintergrund
Die Klagelieder schildern in klagender Sprache das Gericht über Jerusalem und seine Feinde. In Kapitel 3 wird der Bericht persönlicher: der Autor erinnert sich an Gottes Treue mitten in Not und bittet dennoch um gerechte Strafe gegen die Gegner. Vers 64 gehört zu den Klage-Aufforderungen, die Gott als Richter anrufen und zugleich Erbarmen und Gerechtigkeit miteinander verknüpfen. In der Luth1912-Version bleibt der Ruf klar: Vergilt ihnen, wie sie verdient haben – eine Bitte um angemessene Vergeltung im Einklang mit Gottes Maßstab.
Interpretative Beobachtungen
Kurze thematische Gliederung
Verwandte Passagen und ihre Verbindungen
Psalm 7,9: Betont, dass Gott das Herz prüft und Gerechtigkeit heraust, die Verleumdung entlarvt – eine Ergänzung zum Anliegen, dass Feinde entsprechend handeln sollen. Psalm 94,1–2 erinnert daran, dass Gott der Schutz und der Gerechte Richter ist, zu dem die Klage wandert. Jesaja 59,18 zeigt, wie Gottes Vergeltung gemäß Werken erfolgt; dies liefert eine theologische Rahmung, warum die Bitte um Vergeltung in den Klagepsalmen legitim ist.
Praktischer Ausblick
Für den Leser heute bedeutet der Vers, dass in schwerer Zeit nicht vor Gottes Gerechtigkeit geflohen werden soll. Vertraue darauf, dass Gott Maß hält, auch wenn menschliche Urteile verzerrt erscheinen. Klage kann Ausdruck echter Gottesbeziehung sein, solange sie in Vertrauen übergeht.
Quellenhinweise aus historischen Kommentaren
Die klassischen Auslegungen von Matthew Henry, Albert Barnes und Adam Clarke betonen in ihren Übersetzungen die Linie der Gerechtigkeit Gottes, die über dem menschlichen Wunsch nach Vergeltung stehen soll. Ihre kurzen Bemerkungen (im jeweiligen Kommentarbereich zusammengefasst) hoben hervor, dass solche Bitten ernsthaft, aber nie als Aufruf zur Feindseligkeit verstanden werden dürfen. In dieser Zusammenführung wird die Orientierung sichtbar: Gott ist gerecht, und der Beter ruft nach Seinem gerechten Urteil, nicht nach eigener Vergeltung.
Hinweis zu direkte Zitate aus den Kommentaren
Falls wörtliche Zitate aus Matthew Henry, Albert Barnes oder Adam Clarke verwendet werden, sind sie hier in den Abschnitten als Zitate gekennzeichnet und gemäß dem Text aus der jeweiligen Ausgabe wiedergegeben. In dieser Zusammenfassung wurden keine längeren Passagen wörtlich übernommen.