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1. Korinther 1,23 – Wir predigen den gekreuzigten Christus
Lutherbibel 1912 schreibt in dieser Stelle die zentrale Botschaft der christlichen Verkündigung: Wir predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit. Der Vers sitzt mitten in Paulus’ Anrede zu den Christen in Korinth, wo er die Wesensunterschiede der menschlichen Erwartung an Gott und die göttliche Offenbarung gegenüberstellt.
Überblick zum Vers im Kapitel
Im Kontext von 1 Kor 1–2 setzt Paulus das menschliche Maß gegen das göttliche Maß. Die Korinther wurden von verschiedenen Richtungen beeinflusst: Juden forderten Zeichen, Griechen suchten Weisheit. Paulus aber lenkt den Blick auf das Kreuz: Dort offenbart sich Gottes Rettung jenseits menschlicher Logik und kultureller Erwartungen. Der Ausdruck „gekrüuzigt“ bezieht sich auf das schmachvolle Schicksal Jesu, doch im biblischen Sinn ist dort die Vollendung von Gottes Plan und Weisheit zu finden.
Hauptlehre des Verses
Die Kernbotschaft lautet: Die Verkündigung zielt auf den gekreuzigten Christus ab. Das Kreuz wirkt als Hindernis für jene, deren Erwartungen an Gott und seine Weisheit andere Maßstäbe setzen. Es bleibt jedoch die volle, rettende Botschaft: Wer an Christus glaubt, wird durch Gottes Kraft und Weisheit errettet. Paulus betont damit eine klare Unterscheidung zwischen menschlicher Erwartung und göttlicher Offenbarung.
Verbindung zu anderen Schriftstellen
- 2 Korinther 4,5: Paulus erläutert, dass wir nicht auf uns selbst predigen, sondern auf Jesus Christus als Herrn und auf sich selbst als Diener. Die Kreuzigkeit bleibt zentral, auch wenn das Verständnis menschlicher Sichtweisen scheitert.
- Galater 6,14: Paulus verweist darauf, dass er nur am Kreuz Jesu Christi prahlt; die Welt mit ihrer Beschränkung bleibt außen vor, das Kreuz aber hebt alles Wesentliche hervor.
- 1 Petrus 2,6–8: Das Bild des Steins, an dem die Berater scheitern, verweist auf die göttliche Weisheit, die in Christus zutage tritt.
Beispielhafte Auslegung aus klassischen Kommentatoren
Matthew Henry betont, dass das Kreuz das Maß aller göttlichen Weisheit ist und menschliche Weisheit daran scheitert. Albert Barnes hebt hervor, dass die Botschaft des Kreuzes sowohl eine Quelle der Jammer- als auch der Hoffnung ist – der Juden Ärgernis, den Griechen Torheit, doch zugleich die Macht Gottes für die Errettung. Adam Clarke betont die paradoxe Verbindung von Schande und Herrlichkeit im Kreuz: Gottes Weisheit offenbart sich in der scheinbaren Schwäche Christi.
Wichtige kurze Zitate (Namen genannt): Henry: „das Kreuz ist die Weisheit Gottes“; Barnes: „das Kreuz rettet, obwohl es den Menschen widerstrebt“; Clarke: „Durch das Kreuz wird Gottes Kraft sichtbar.“
Anwendung für heute
Für Gläubige bedeutet dies: Das Evangelium fordert eine offene Haltung Gott gegenüber, jenseits kultureller Erwartungen. Wer auf das Kreuz vertraut, erkennt Gottes Rettung als freies Geschenk. Für Nachfolger bedeutet dies, Demut zu zeigen: Nicht auf menschliche Stärke, sondern auf Gottes Kraft zu ruhen. Der Vers erinnert an die Notwendigkeit, die Botschaft so zu verkünden, wie sie ist – klar, ehrlich und kraftvoll, auch wenn sie gesellschaftliche Erwartungen herausfordert.
Kurze Querverweise und Bedeutung
- 1 Kor 1,18: Das Wort vom Kreuz ist denjenigen, die verloren gehen, eine Torheit; den Geretteten aber eine Gotteskraft. Bedeutung: Die Wirkung des Kreuzes hängt von der empfangenen Gnade ab.
- Röm 1,16: Das Evangelium ist Gottes Kraft zur Rettung für alle, die glauben. Verbindung: Das Kreuz bleibt zentrale Kraftquelle der Botschaft.
- Mt 16,24–25: Wer sein Kreuz aufnehmen will und mir nachfolgen, findet Leben. Zusammenhang: Wer Gottes Weg anerkennt, begegnet dem Kreuz als Lebensweg.
Zusammenfassend zeigt dieser Vers die radikale Schlichtheit der Botschaft: Der gekreuzigte Christus ist die apostolische Verkündigung; die Wirkung hängt von Gottes Größe ab, nicht von menschlicher Weisheit oder kultureller Erwartung. Er ist zugleich Quelle der Errettung für alle, die glauben.