Old Testament
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Exodus 20:13 – „Du sollst nicht töten“ (LUTH1912)
Geringe Vorrede: Der siebte Gebot folgt unmittelbar dem Gebot über das heilige Eigentum Gottes und dessen heilige Würde des Menschen. Es steht im strengen Gleichgewicht zu den ersten beiden Geboten, die Gottheit undBild Gottes ehren, und zu dem achtsamen Handeln dem Nächsten gegenüber.
1) Das unmittelbare Setting
Dies ist das sechste Gebot der Zehn Gebote am Berg Sinai, das den Umgang der Menschen untereinander regelt. Es folgt auf das Gebot, den Namen des Herrn nicht missbräuchlich zu gebrauchen, und geht der Aufforderung voraus, den Sabbat heilig zu halten. Die Wurzel dieses Gebots liegt in der Würde des menschlichen Lebens, das als Geschöpf Gottes einen besonderen Wert besitzt.
2) Was der Text über Gott und den Glauben offenbart
Gott ist als Schöpfer und Erhalter des Lebens der höchste Maßstab für Heiligkeit. Das Gebot zeigt, dass Gott den Lebensschutz ernst nimmt und dass menschliches Handeln vor seinem Urteil verantwortlich ist. Es erinnert daran, dass das Leben kein bloßes Material ist, sondern eine von Gott gestiftete Würde hat. Dadurch wird deutlich: Rechtes Miteinander basiert auf Respekt vor dem Lebenswillen Gottes.
3) Wichtige Begriffe und Bilder
„Du sollst nicht töten“ – im Hebräischen geht es wortwörtlich um das Töten eines Menschen; es bezieht sich auf vorsätzliche, rechtswidrige Beendigung eines menschlichen Lebens, nicht auf Gewalt im Krieg oder im rechtmäßigen Strafvollzug. Die Formulierung fordert Schutz statt Gewalt, und schließt indirekt das Wohlergehen und den Schutz der Schwachen ein, weil jeder menschliche Leib Träger der Gottesebenbürtigkeit ist.
4) Verwandte Stellen
- 2. Mose 23,7: Gottes Forderung nach Gerechtigkeit und ehrlicher Zeugenaussage; das Leben und das Urteil stehen in Gottesgericht.
- 5. Mose 19,14: Respekt vor dem Leben in der Gemeinschaft; was einem Nachbarn gehört, soll unversehrt bleiben.
- Psalm 8,5–6: Mensch als gering geachtet und doch mit Würde ausgestattet; die Verantwortung, das Leben zu schützen, spiegelt Gottes Fürsorge wider.
5) Traditionelle Stimmen – kurze Impulse
Matthew Henry betont, dass dieses Gebot die höchste menschliche Pflicht gegenüber dem Leben widerspiegelt und dass Legitimierung von Gewalt strittig bleibt, solange Respekt vor dem Wert des Lebens besteht. Albert Barnes hebt hervor, dass das Gebot sowohl unbeherrschte Impulse vermeidet als auch Opposition gegen Unterdrückung mildert. Adam Clarke sieht in der Einschränkung des Lebensrechts eine der festen Grundlagen einer gerechten Gesellschaft.
6) Praktische Anwendung heute
– Respekt vor dem Leben in allen Altersstufen: Kindheit, Alter, Behinderung.
– Ablehnung von Mord, aber auch von rücksichtsloser Gewalt, Verachtung oder Ausbeutung.
– Einsatz für Gewaltverhütung, fairen Rechtsweg und Schutz der Schwächsten in der Gesellschaft.
7) Kurz zusammengefasste Auslegung
Dieses Gebot ruft zu einem fundamental gerechten Umgang mit dem Leben auf. Es erinnert daran, dass menschliche Würde nicht verhandelbar ist und dass Sicherheit und Schutz des Lebens gemeinwesenstiftend sind. Die Stimme der Schrift fordert uns auf, Konflikte friedlich und gerecht zu lösen und Gewalt abzulehnen, wo immer möglich.
Schlussgedanke
Der Schutz des Lebens ist kein rein weltliches Prinzip, sondern Ausdruck der Gottesebenbürtigkeit jedes Einzelnen. Das Gebot fordert von der Gemeinschaft eine Haltung der Verantwortung, Nächstenliebe und Rechtsstaatlichkeit – heute so aktuell wie damals.
Kurze Quellvermerke (aussagekräftige Zitate, soweit verfügbar): Henry, Barnes, Clarke geprägte Sichtweisen finden sich in der Gesamtdarstellung; konkrete kurze Zitate aus ihren Werken erscheinen hier nur sinngemäß in der Paraphrase der Kommentarabhandlung.
Cross-References: