Old Testament
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Psalm 73:6 (LUTH1912): "Darum muß ihr Trotzen köstlich Ding sein, und ihr Frevel muß wohl getan heißen."
Spätere Abschnitte des Psalmengesangs geben dem Psalmisten eine klare Beobachtung: Die Pündigkeit der Welt scheint zu glänzen, während Tugend oft still und unscheinbar bleibt. In Vers 6 wird sichtbar, wie das Hochmut und Frevel in den Augen der Menschheit als kostbar und gerecht erscheinen. Der Psalmist zeigt jedoch, dass dieses scheinbare Glänzen der Frevel eine trügerische Werthaltigkeit besitzt – es ist letztlich eine „Kömmlichkeit des Hochmuts“, die sich selbst verrät, sobald Gottes Gerechtigkeit greifbar wird.
Im unmittelbaren Zusammenhang
Dieser Vers gehört zu dem Abschnitt, in dem der Psalmist den Rückschluss zieht, dass die Versuchungen und der scheinbare Erfolg der Gottlosen ihnen Leichtfertigkeit verleihen. Doch die Heiligkeit Gottes bleibt das Maß, an dem alles gemessen wird. Die Worte zeigen eine innere Reaktion des Herzens: Trotz sichtbarer Ungerechtigkeit darf der Gläubige nicht dem Irrtum erliegen, dass solcher Hochmut wirklich wertvoll sei. Die Betonung liegt darauf, wie weltliche Freuden sich als „köstlich“ darstellen mögen, während Gott als der zuverlässige Richter und Quell der Wahrheit bestehen bleibt.
Wichtige Auslegungspunkte
Bezug zu anderen Bibelstellen
- Sprüche 16:18 erinnert daran, dass Hochmut vor dem Sturz kommt, und Weisheit demütig zu wandeln ist. Die Verheißung, dass Gott die Stolzen sieht, passt zur Mahnung, dass das scheinbare Prestige der Frevel eine trügerische Sicherheit bietet.
- Jakobus 4:6 betont Gottes größere Gnade gegen die Demütigen; der Psalmist erkennt, dass das menschliche „Köstliche“ der Freveltaten im Licht der göttlichen Gerechtigkeit entlarvt wird.
- Psalm 37:1–2 ermahnt, nicht gegen die Übeltäter zu grollen, sondern Gelassenheit zu üben, denn der Herr wird zu seiner Zeit richten; so wird der verführerische Glanz der Frevel mit der Zeit vergehen.
Was sagt die kirchliche Überlieferung?
In den Kommentaren von Matthew Henry, Albert Barnes und Adam Clarke wird betont, dass der Psalmist hier die Versuchung des Zynismus gegenüber der Welt anklagt, aber zugleich darauf verweist, dass Gott die Last der Ungerechtigkeit anerkennt und letztlich richten wird. Henry hebt die Versuchung hervor, dem scheinbaren Erfolg der Gottlosen zu verfallen, während Clarke auf die Vergänglichkeit menschlicher Ehre hinweist. Barnes erinnert daran, dass Gottes Geduld oft der Rahmen ist, in dem das Gericht vorbereitet wird.
Kurze Anwendungsübersicht
Kurzreferenzen
2–3 Querverweise in Kürze: Sprüche 16:18; Psalm 37:1–2; Jakobus 4:6. Diese Verweise helfen, die Idee zu verankern, dass Hochmut und Frevel vor Gottes Maßstab scheitern, während Demut und Geduld vor Gott Bestand haben.
Zusammenfassend lädt der Vers dazu ein, die vermeintlich köstlichen Güter der Welt kritisch zu prüfen, indem man sich an Gottes Gerechtigkeit orientiert. Die Reise des Psalmisten zeigt, dass wahrer Wert nicht im Glanz der Frevel liegt, sondern in der Treue des Herrn.
Quellenhinweis zu kurzen Originalzitaten: Die kurzhaltenen Formulierungen der Bibelkommentatoren Henry, Barnes und Clarke finden sich in ihren klassischen Auslegungen zu Psalm 73; wörtliche Zitate aus Henry, Barnes oder Clarke werden hier nur als Bezug genannt, nicht wiedergegeben, sofern kein direktes Zitat vorliegt.