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1 Korinther 10,24 (LUTH1912): Niemand suche das Seine, sondern ein jeglicher, was des andern ist.
Im Zusammenhang mit den Warnungen gegen den Missbrauch des Freien Essens und der Götzenopfer richtet der Apostel Paulus das Augenmerk auf die Gemeindeglieder als Gemeinschaft. Zwar geht es hier nicht bloß um Selbstaufopferung im Sinne von Selbstverleugnung, sondern um eine christliche Ethik der Rücksichtnahme: Meint, dass keiner für sich allein lebt, sondern die Brüder und Schwestern in der Gemeinde mitdenkt. Die Orientierung ist weniger auf individuelle Freiheit als auf verbindliche Nächstenliebe gerichtet.
Zentrale Bedeutung
Der Satz legt das Maß fest: Nicht jeder solle nach dem richten, was ihm persönlich gut tut, sondern was dem Anderen dient. In der Praxis bedeutet das, bei geschäftigen Mahlzeiten, beim Umgang mit Schwachen und bei feststehenden Gewohnheiten darauf zu achten, wie das eigene Verhalten andere beeinflusst. Paulus ruft damit zu verantwortungsbewusstem Handeln in einer Gemeinschaft auf, die aus Freien besteht, aber durch Liebe gebunden ist.
Themenübersicht
Bezug zu anderen Bibelstellen
– Galater 5,13: Freiheit soll durch Liebe dienen; einer dürfe nicht aus Selbstsucht handeln. Bezugssinn: Die Freiheit wird durch die Liebe maßgeblich geerdet.
– Römer 14,13: Kehrt einander nicht zu Fall, sondern richtet eure Rechte zum Guten; schont die Gewissensgründe anderer. Bezugssinn: Rücksicht als für die Gemeinschaft kommende Verantwortung.
– Philipper 2,4: Nicht jeder auf das Seine, sondern auch auf das der anderen achthaben; Eintracht predigt Praxis.
Praktische Reflexion
Für die Kirchengemeinschaft bedeutet dies: Beim gemeinsamen Essen, bei Entscheidungen über Gemeinschaftsprojekte oder bei der Nutzung von Freiheiten (z. B. kulturelle oder religiöse Vorlieben) ist zu prüfen, wie sich das auf andere auswirkt. Bedenke: Die Stärke der Gemeinde misst sich daran, wie frei und zugleich rücksichtsvoll ihre Mitglieder handeln. Die Haltung der Liebe verhindert Stolz und Egoismus und fördert ein konstruktives Miteinander.
Kernbotschaft in Kürze
Was des anderen dient, bestimmt das Handeln. Freiheit ohne Rücksicht wird durch Liebe ersetzt, damit die Gemeinschaft gestärkt und der Glaube lebendig bleibt.
Abschließende Hinweise
Diese Anweisung ruft zu einer Ethik der Rücksicht auf, die in allen Bereichen des Zusammenlebens sichtbar wird – von Mahlzeiten bis hin zu praktischer Lebensführung innerhalb der Gemeinde.
Quellenhinweise zu älteren Kommentaren: Matthew Henry betont oft, dass christliche Freiheit durch Liebe geformt wird; Albert Barnes hebt die Verantwortung gegenüber dem schwächeren Glaubensbruder hervor; Adam Clarke verweist auf die Notwendigkeit, andere nicht zu Fall zu bringen. Die hier geformte Synthese fasst diese Linien in einer praktischen Haltung zusammen.