Old Testament
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Jeremia 13,17 (LUTH1912) – Kontext und Sinn
In Jeremia 13 wird der Prophet dem Volk eine anschauliche Parabel vorgespielt: der Gürtel bzw. der achselbezogene Sinnbild des Volkes als Treue oder Untreue gegenüber Gott. Die Verslehre des Kapitels verweist auf die schlichte Botschaft: Wer Gottes Stimme verwirft, verliert letztlich auch die Führung und den Schutz Gottes. In Vers 17 tritt eine klare Tragik hervor: Das Volk will nicht hören, und die Folge ist innere Trauer des Propheten über die Hochmut des Volkes sowie das Zerstreuen der Hirtenherde unter Gottes Gericht.
Zentrale Bedeutung des Verses
„Wollt ihr aber solches nicht hören, so muß meine Seele heimlich weinen über solche Hoffart; meine Augen müssen von Tränen fließen, daß des HERRN Herde gefangen wird.“
Hier ruft Jeremia zu einer ehrlichen Gottesantwort auf: Die Weigerung des Volkes, Gottes Warnung anzunehmen, verletzt nicht nur die Gemeinschaft, sondern bringt auch den Hirtenzustand Gottes in Gefahr. Jeremia verknüpft die Ablehnung mit einer moralischen Haltung—Hoffart—und mit der kommenden Zerstörung der Hirten- bzw. Gemeindeordnung. Die Reaktion des Propheten ist keine bloße Traurigkeit, sondern eine tiefe, geistliche Sorge um das Wohlergehen des Volkes vor Gottes Gericht.
Zwei bis drei zentrale Themen
Hoffart bezeichnet hier eine Selbstvergrößerung, die Gottes Warnungen ignoriert. Das Volk hält an seiner Unabhängigkeit fest, statt sich von Gott richten zu lassen. Die Folge ist Verirrung und Gefährdung der gesamten Herde Gottes.
Jeremia zeigt, dass wahrer Prophetendienst nicht nur Botschaft, sondern auch Tränen und inneres Leiden bedeutet, wenn Gottes Volk sich von ihm entfernt. Die Trauer ist Zeichen echter Liebe zum Volk und zu dem, was Gott für sein Eigentum will.
Die Formulierung „Herde gefangen wird“ verweist auf eine Zerbrechung der Ordnung Gottes: Ohne Rechtmaßnahme und Buße wird die Herde zerrissen, göttliche Führung geht verloren.
Verwandte Passagen (Cross-References)
– Jesaja 1,4–6: Der Zustand des Volkes als von Hochmut und Abwendung von Gott gezeichnet; traf die Nation, bevor Gottes Gericht sichtbar wird. Die Verbindung betont, dass religiöse Oberflächlichkeit ohne Gehorsam zu Zerbruch führt.
– Hesekiel 34: Versorgungs- und Richtersprüche über abgekommene Hirten und verlorene Herde; erinnert daran, dass Gottes Begleitung schwindet, wenn Hirten und Volk sich gegen Gottes Ordnung stellen.
– Matthäus 23,37–39: Jesus klagt über Jerusalem, das seine Warnungen verpasst; die Trauer Jesu über verstockte Herzen spiegelt Jeremia wider und zeigt, dass Herde und Hirten vor Gottes Gericht in Gefahr sind, wenn die Botschaft unbeachtet bleibt.
Praktische Reflexion
Der Vers fordert Hörerinnen und Hörer auf, eigene Haltung kritisch zu prüfen: Bauen wir auf vermeintlicher Sicherheit oder erkennen wir Gottes Warnungen an? Wenn Hochmut vorherrscht, droht geistliche Blindheit. Ein demütiges Vertrauen auf Gottes Leitung stärkt die Gemeinschaft und bewahrt die Herde vor Zerrüttung.
Zusammenfassung
Jeremia 13,17 erinnert: Wer Gottes Stimme ignoriert, belastet nicht nur sich selbst, sondern auch die Gemeinschaft. Die Reaktion des Propheten—heimliche Trauer und Tränenfluss—drückt eine tiefe Sorge um das Volk unter Gottes Gericht aus. Die Verse laden dazu ein, Hochmut abzulegen, Buße zu suchen und Gottes Hirtenführung wieder neu zu suchen.
Quellenhinweise (andere Stimmen zur tiet)
In der Auslegung traditioneller Bibelkommentare wird dieses Versbild oft durch die Motive von Trauer, Fürsorge und göttlicher Ordnung erklärt. Matthew Henry, Albert Barnes und Adam Clarke betonen jeweils die leidenschaftliche Sorge des Propheten sowie die Folgen geistlicher Rebellion. Gezielte Worterklärungen zeigen, wie die Begriffe „Hoffart“ und „Herde“ die soziale und geistliche Struktur adressieren.