Old Testament
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Matthäus 5,42 (Luth1912): Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht von dem, der dir abborgen will
Der Vers gehört in die Bergpredigt, einer Anleitung Jesu zu einer Gotteswelt, die sich durch Gnade und praktische Gerechtigkeit auszeichnet. Jesus fordert hier eine radikale Großzügigkeit, die über juristische Pflicht hinausgeht. Wer bittet, dem soll gegeben werden; wer etwas von uns verlangt, dem sollen wir nicht ungleich entzogen bleiben. Die Szene ist kein Aufruf zur Verschwendung oder zum kindischen Übergehen von Ordnung, sondern eine Orientierung am Herzen Gottes, der überfließende Barmherzigkeit übt.
Zentrale Bedeutung
Der Vers betont eine Haltung der offenen Bereitschaft zu geben, ohne Rücksicht auf Gewinn, Status oder Reaktion des Gegenübers. Es geht nicht um törichte Verschwendung, sondern um eine Glaubenspraxis, die sich von der Selbstbezogenheit löst. Jesus zeigt, dass die Nachfolger Gottes in allem dem willen Gottes folgen, auch in einfachen alltäglichen Entscheidungen wie dem Teilen von Besitz oder Zeit. Die Grundregel lautet: Gib dem, der bittet, und lasse dich nicht abschrecken durch negative Erwartungen oder Enttäuschungen.
Kernaussagen und Themen
Verwandte Passagen
• Lukas 6,30: Die gleiche Grundregel der Großzügigkeit; der Fokus liegt hier auf dem Teilen ohne Zurückhaltung.
• Matthäus 6,1–4: Die Motive des Gebens: Nicht vor menschlicher Anerkennung, sondern vor dem Vater im Verborgenen handeln.
• Römer 12,13: Gastfreundschaft und Unterstützung der Bedürftigen als lebendiges Zeugnis der Gemeinschaft.
Kommentarspiegel – Edle Einsichten im Gespräch mit frühneuzeitlichen Gelehrten
Die Auslegung hält sich an das Verständnis, dass jedes Geben einen Beweis innerer Freiheit darstellt. Matthew Henry betont, dass das Geben nicht zu Verdruss oder Forderung wird, sondern eine liebevolle Bereitschaft, die unverdiente Gnade widerspiegelt. Albert Barnes hebt hervor, dass das Bittende oft ein Bedürfnis trifft, das der Geber zwar nicht sofort begleichen kann, doch die Haltung des Gehorsams vor Gott bleibt entscheidend. Adam Clarke erinnert daran, dass dieser Vers kein unbegrenztes Rechtsprinzip ohne Weisheit sein soll, sondern eine Regel, die dem Charakter Christi entspricht. Die Summe der Stimmen aus diesen Stimmen ist: Geben ist Ausdruck der Nachfolge, doch muss es klug, barmherzig und gerecht geschehen, zum Schutz aller Beteiligten.
Praktische Reflexion
Praktisch bedeutet dies: Wer jemandem bittet, sollte prüfen, wie viel er ohne Schaden geben kann, und dennoch offen bleiben für weitere Hilfe. Es geht um eine Haltung, die nicht auf eigene Sicherheit oder Ruhm abzielt, sondern auf das Wohl des Nächsten und die Ehre Gottes. Selbst wenn die Bitte missverständlich erscheint, bleibt die Bereitschaft zum Teilen ein Zeugnis der Nachfolge.
Kurzfazit
Mt 5,42 ruft zu einer auffallend offenen Großzügigkeit auf, die sich an Gottes Barmherzigkeit orientiert. Es geht nicht um blinde Verschwendung, sondern um eine lebendige Lebensführung, in der Bedürftige Beachtung finden und die Gemeinschaft dadurch Gottes Liebe widerspiegelt.