Old Testament
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Jeremia 15:5 (LUTH1912): Bedeutung und Auslegung
Direkte Aussage: Wer will sich deines erbarmen, Jerusalem? Wer wird Mitleiden mit dir haben? Wer wird hingehen und dir Frieden wünschen?
Kontextueller Hintergrund
Jeremia richtet seine Prophezeiung gegen Juda in einer Zeit politischer Umbrüche und innerer Abkehr. Gott klagt über das stete Abfallen vom Bund, und Jeremia arbeitet als Gottes Bote, der die coming Strafen und zugleich die verzweifelte Bitte nach Barmherzigkeit mitbringt. In Jeremia 15, dem Kapitel, das oft als scharfes Klagen über Staat und Volk gelesen wird, beschreibt der Prophet Gottes Jawort zur Zerstörung Jerusalems als Konsequenz weitreichender Sünde. Der Vers 5 fragt erschüttert: Wer wird noch Mitleid haben, wer wird Jerusalem trösten und Frieden wünschen? Diese Frage betont die tiefe Einsamkeit, die über einer Stadt liegt, die sich von Gott abgewandt hat.
Interpretative Beobachtungen
Thematische Gliederung
Verwandte Passagen und kurze Verknüpfungen
• Jeremia 9:1 – Die Sehnsucht nach Trost in einer zerrütteten Stadt; hier wird deutlich, dass menschliches Mitleid allein nicht genügt ohne Gottes Gegenwart. (Interpretation im Zusammenhang mit Jeremia 15:5: wenn die Quelle des Friedens fehlt, nützt auch menschliches Erbarmen wenig.)
• Jesaja 57:14–19 – Eine thematische Parallele zur Frage nach Frieden und Heil, wobei Gottes Güte den Weg zurück zum Frieden ebnet, nicht menschliche Anstrengung allein.
• Psalm 121 – Der Blick auf den Hügel, von dem Hilfe kommt; hier wird deutlich, dass jedes gute Mitleid letztlich auf Gottes Beistand zielt.
Praktische Schlussfolgerung
Der Text erinnert daran, dass echte Barmherzigkeit und Frieden nur aus dem Verhältnis zu Gott kommen. Ohne Gottes Gegenwart bleiben Mitgefühl und Hoffnung flüchtig. Wer Jerusalem trösten will, muss zuerst die Sünden bekennen und um Wiederherstellung durch Gottes Gnade bitten.
Verwendete Quellen und prägnante Zitatinhalte
In dieser knapp gehaltenen Kommentierung werden übliche Auslegungen aus der klassischen pfingstlich-lutherischen Tradition berücksichtigt, darunter kurze, zitierbare Passagen aus Matthew Henry, Albert Barnes und Adam Clarke, sofern vorhanden. Die folgenden kurzen Passagen sind exemplarisch und werden nur dort genannt, wo sie direkt in den Zusammenhang passen:
Matthew Henry betont, dass Gottes Urteil auch eine Einladung zur Rückkehr enthält; „tying mercy to the heart of nations“ wird in Nachdruck gesetzt, dass Gottes Barmherzigkeit nicht vernachlässigt werden darf. (Kurzfazit aus Henrys Stil, wörtliche Zitate werden in dem Text nur in vorkommenden Fällen erwähnt.)
Albert Barnes hebt hervor, dass die Frage die menschliche Unfähigkeit unterstreicht, ohne Gottes Einfluss Frieden zu schenken. (Kurzcharakterisierung.)
Adam Clarke sieht in Jeremia 15:5 die scharfe Darstellung des göttlichen Zorns, der doch von einer tiefen Sehnsucht nach Umkehr begleitet ist.
Cross-References: Jeremia 17:7–8 (Segen kommt durch Gottes Gegenwart), Jesaja 40:11 (Gott als Tröster), Psalm 46:8–11 (Gottes Gegenwart bringt Sicherheit).